Das Sommerloch

Es war einmal in einer Zeit
voll Ruhe und Beschaulichkeit.
Da gab es – vielleicht wisst ihr’s noch –
das schöne stille Sommerloch.
Es dehnte sich ins Land hinein,
war nichts drin, nur der Sonnenschein
und warmer Sand und stille Straßen
und Langeweile. Und wir saßen
am Frühstückstisch, schon sonnensatt,
vor einem leeren Zeitungsblatt.

Und jetzt? Das Sommerloch ist weg,
ist zugespült mit Müll und Dreck
von kräftigen Gewitterregen,
die täglich durch die Lande fegen.
Kaum ist der Fußballjubel aus,
gewittert es im Bundeshaus.
Es kracht in den Gesundheitsfragen
Angela, fast vom Blitz erschlagen,
entfleucht mit Bush auf den G 8,
auch da gewittert’s Tag und Nacht.
Es kracht und blitzt im Libanon,
auf Java schwimmt das Land davon

Und ich? Ich schluck den ganzen Mist,
wo draußen so schön Sommer ist.
Kaum kann ich morgens aufrecht stehen,
muss ich schon lesen, hören, sehen:
Da läuft was schief, da haut es rein.
da geht massiv was kurz und klein.
Das schlägt mir kalt in diesen Tagen
auf meinen sonnenwarmen Magen.

Mein Gott, wie war es doch vordem
im Sommerloch so angenehm.
Nix los war. Na ja, meinetwegen
mal zu viel Hitze, zu viel Regen.
Vielleicht auch noch so ‘n Firlefanz
wie Wimbledon und Tour de Franz.
Du schönes stilles Sommerloch,
sag mal, wo bleibst du? Gibt’s dich noch?

von Thor bzw. Klaus Pawlowski, taz